
«Still sitz ich an des Hügels Hang…», so beginnt die Vertonung eines Gedichts von Ernst Schulze durch Franz Schubert zu Beginn des 19. Jahrhunderts und weiter: «Es wandeln nur sich Will’ und Wahn, es wechseln Lust und Streit, vorüber flieht der Liebe Glück, und nur die Liebe bleibt zurück. Die Lieb’ und ach, das Leid!»
Der Posaunist Michael Flury und die Pianistin Simone Keller werden an diesem ungewöhnlichen Liederabend ebenfalls die Musik ohne Worte sprechen lassen. Neben dem unsterblichen Franz Schubert sind auch Songs von People-of-Color-Komponistinnen zu hören, die bis heute zu wenig Anerkennung für ihr Schaffen erhalten: Lil Hardin Armstrong, die immer im Schatten ihres Mannes Louis Armstrong stand, und Irene Higginbotham, die mit «Good Morning Heartache» einen weltberühmten Jazz-Standard geschrieben hat.
Das Duo Flury/Keller überwindet mühelos stilistische Grenzen zwischen Klassik und Jazz, ohne in ein simples Cross-Over zu verfallen, stellt Lil Armstrongs Bad Boy neben den verliebten Müllergesellen von Schubert, findet einen fliessenden Übergang vom «Oriental Swing• zu «Auf dem Strom» und lässt dem ‹Trinkt noch Glut und schlürft noch Licht» im Schubertschen «Abendrot» nahtlos «Just for a Thrill von Lil Armstrong folgen.
Ein Liederabend, der Bekanntes und Ungehörtes neu zum Klingen bringt und vermeintlich Unvereinbares in einem grossen Bogen miteinander verwebt.
Das Gloria Coworking befindet sich in der ehemaligen Wisa Gloria Spielzeugfabrik, einem historischen Industriegebäude, das heute als moderner, nachhaltiger Arbeitsort genutzt wird. Zwischen flexiblen Arbeitsplätzen, Sitzungsräumen und offener Atmosphäre erhält das Thema des Festivals, UNERHÖRT, einen besonderen Rahmen: Ein Ort, an dem früher Spielzeug entstand, wird zum Schauplatz für neue Perspektiven und für einen Liederabend, der Bekanntes und Überhörtes neu hörbar macht.
Die klassisch ausgebildete Pianistin Simone Keller bewegt sich in verschiedenen Stilen und Genres, sucht das Experimentelle und pflegt die Tradition. Als Brückenbauerin setzt sie sich insbesondere für einen breiten gesellschaftlichen Zugang zur Musik ein. Ihre intensive Konzerttätigkeit findet an namhaften internationalen Institutionen genauso wie an den Rändern und in den Nischen statt, wo sie sich unentwegt auf Neues und Ungewohntes einlässt.
Der Posaunist Michael Flury komponiert, arrangiert und produziert eigene Musik und bietet diese über seine Plattform MUK zum Direktkauf an. In der Vergangenheit arbeitete er mit Grössen der Pop- und Rock-Kultur. Er ist auf vielen Tonträgern zu hören, kollaborierte mit dem Film und dem Theater und forschte in der Schnittmenge von Kunst und Wissenschaft.
mit Simone Keller (Klavier) und Michael Flury (Posaune) und Philip Bartels (arr.)
🗓️ Freitag, 4. September 2026
🕒 19:30 Uhr, Barbetrieb im Anschluss
Tickets: https://www.ticketino.com/de/event/will-und-wahn/214982
Das gesamte Programm der musikalischen Begegnungen findest du auf der Webseite
https://www.mbl-lenzburg.ch
